Heute ging es 90 km und 1.200 hm über die grüne Grenze zurück nach Österreich. Die Strecke habe ich mir gestern spätabends noch programmiert. Auf dieser hat es sich wahrlich ausgezahlt, mein Rennrad mit einer Gravel Bike Bereifung zu fahren. Dazu später mehr.
Der Nachteil von Krumau ist, dass die Stadt in einer Talsenke liegt und man nur mit einem gewaltigen Anstieg aus dieser herauskommt. Mein nicht aufgewärmter Körper reagiert mit Überforderung. Mich reckt es als müsste ich mich übergeben. Ich kenne diese (körperlich-seelische) Reaktion von früher. Ich erinnere mich an meine Zeit als angehender Sozialpädagoge. Ich wohnte so nahe zu meiner 1. Arbeitsstätte, dass ich in die Arbeit zu Fuß gehen konnte. Je näher ich dem Heim kam in dem ich arbeitete, umso schlechter ging es mir. Ich musste mich vor Angst übergeben, weil ich als 19jähriger mit den Jugendlichen einfach überfordert war und vor allem mit niemanden darüber reden konnte.
Beim Radfahren habe ich diese Überforderungsreaktion seit meiner letzten Radreise in Italien. Auslöser war (vermutlich) der Orkan, den ich erleben musste. Ich glaube, dass ich meine damalige Angsterfahrung einfach ignoriert habe und meine Psyche (Körper) sich angewöhnt hat, in dieser Form meine (unbewusste) Angst vor möglichen schweren Etappen einer Radreise oder einer Überforderung zu signalisieren. Das Nachdenken darüber und die Konfrontation mit dem Gewesenen helfen mir und die Symptome vergehen.



Ich wundere mich, dass ich auf einer großen und vor allem steilen Straße ohne Verkehr fahre, bis ich den Hinweis bemerke, dass diese in 10 km gesperrt ist und ein Weiterkommen unmöglich ist. Umleitungen werden nicht angezeigt. Ein Umkehren kommt für mich jedoch nicht in Frage. Zusätzliche Kilometer nehme ich sicher nicht in Kauf. Tatsächlich komme ich zu einer Straßensperre mit großer Baustelle, die jedoch nicht gesichert ist und ich mich im wahrsten Sinne des Wortes durchstehle. Solche Hindernisse sind für mich dazu da, um überwunden zu werden.




Was mich am heutigen Tag wirklich begeistert ist, die Route durch die Wälder und der Grenzübertritt an der sog. grünen Grenze bei Moorbad Harbach. Das Navi führt mich über Güterwege durch den Wald bis zur Grenze auf 900 m. Ohne der richtigen Bereifung wäre ich aufgeschmissen. Beim Grenzübertritt wird mir wieder bewusst, dass ein Europa ohne Grenzen wahrlich ein großes Geschenk ist, vor allem wenn man bedenkt, dass hier Österreich und Tschechien (Tschechoslowakei) durch den Eisernen Vorhang jahrzehntelang getrennt war. Das Schöne am Radreisen ist für mich, dass Grenzen zwischen Ländern völlig unbedeutend und vielmehr Kulturen durch diese besondere Art des Reisen verbunden werden. Auch eine Form von Glück für mich.
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