Und wieder zwingt mich Starkregen zu einer Pause. Geplant waren heute über 100 km mit 1200 hm. Es setzt sich die Vernunft in mir durch und ich entscheide einen weiteren Tag in Krumau zu bleiben. Der Regen endet erst am frühen Nachmittag und die Temperaturen sinken auf unter 10 Grad. Bin frustriert, denn mein eingeplanter Puffertag ist aufgebraucht. Für mich bedeutet es einen Tag weninger am Rad. Verbringe den Tag lesend, wandere ziellos durch die Altstadt Krumaus und denke über das Leben nach.






Für Albert Camus ist unser Leben per se absurd. Die Absurdität entsteht dadurch, dass wir hin und her gerissen sind zwischen der Sinnlosigkeit der Welt und unserer existentiellen Sehnsucht nach Sinn. Camus Überzeugung ist, dass wir dieser Absurdität nicht entfliehen können. Statt dessen kann nur die Annahme zur Freiheit, zu unserer Verwirklichung und so zur eigentlichen Auflösung der Absurdität führen. Viktor Frankl beschreibt eine ähnliche Erkenntnis für mich ein wenig hoffnungsfroher. Sinnfindung bedeutet für ihn dem Leben eine Antwort zu geben. Genau darin findet sich die Verantwortung und auch die Freiheit des Menschen. Sinn findet sich immer bezogen auf einen konkreten Kontext.
Habe ich mich letztes Jahr mit meiner Radreise nach Süditalien an meine körperlichen und geistigen Grenzen gebracht, erlebe ich in meinem derzeitigen Kurzurlaub gerade das Gegenteil. Ich kann die äußeren Bedingungen und die Folgen daraus nicht annehmen. Statt diese Pause zu nutzen, hadere ich damit. Beide Erfahrungen spiegeln allerdings auch mein Leben wider. Meine beruflichen Herausforderungen sind derzeit mehr als schwierig zu bewältigen. Ich weiß auch, dass die äußeren Bedingungen kaum veränderbar sind. In meiner Existenzanalyse habe ich gelernt, dass es trotz allem meine ganz eigene Freiheit ist, diese nicht veränderbaren Lebenssituationen mit allen Absurditäten auch bewusst anzunehmen und im Umgang mit diesen meinen Sinn zu finden. Dadurch verändert sich auch meine Sichtweise auf das Unausweichliche. Ich lerne das Positive und all das Gute zu sehen, dass mir tagtäglich begegnet.
Wie hat es „unser“ fiktiver Psychiater Hector auf seiner Suche nach dem Geheimnis des Glücks in seiner 20. These so passend ausgedrückt: „Glück ist eine Sichtweise auf die Dinge“.
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