6. Tag „…und er antwortete mir im freien Raum!

Heute bin ich von Zell am See 111 km nach Brixlegg in Tirol gefahren. Es war die bislang längste Etappe meiner Reise. Um über Mittersill nach Tirol zu gelangen, muss der Thurner Pass mit 1273 hm überquert werden. Es schüttet wieder in Strömen. Angekommen in Kitzbühel muss ich nicht nur Gewand wechseln, sondern auch neue Teile einkaufen gehen. Für so ein Wetter und den niedrigen Temperaturen habe ich einfach zu wenig richtiges Gewand eingepackt.

Ab Kitzbühel bis Hopfgarten scheint die Sonne, ein Temperatursprung von 10 auf 24 Grad, der nicht nur meinen Kreislauf überfordert, sondern auch zu einem heftiges Gewitter führt. Auf Grund von Blitz und Donner flüchte ich mich in ein Wartehaus am Bahnhof von Hopfgarten. Ich befinde mich mitten im Zentrum des Gewitters.

„Aus der Enge rief ich den Herrn und er antwortete mir im freien Raum“. Der Satz stammt aus den Psalmen. Man muss nicht religiös sein, um die Kraft dieser Worte zu spüren. Radreisen alleine sind eine psychische Herausforderung, vor allem auch dann, wenn es einem grundsätzlich nicht gut geht und das Wetter von Regen und Kälte geprägt ist. Ich habe gelernt, dass mir das laute und wiederholte Aufsagen dieses Satzes Kraft und Ruhe schenkt.

„Aus der Enge rief ich den Herrn…

„…er antwortete mir…

im freien Raum…!“

Meine Herausforderungen bleiben bestehen und lösen sich nicht in Luft auf, es fühlt sich aber alles ein wenig leichter an. Meine Seele ist freier geworden.

Hinterlasse einen Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑