12. Tag: Der Gesang

Heute eine recht kurze Etappe mit „nur“ 83 km nach Kassel. Der erste Teil der Fahrt bis Göttingen war zu vergessen. Es geht ca. 30 km entlang einer stark befahrenen Landstraße mit extremen Gegenwind. Nach Göttingen führt mich das Navi jedoch ins Land hinein und ich habe meine erste „Bergetappe“ zu absolvieren. Ich erklimme einen Hügel mit 300 hm. Die Landschaft ist beeindruckend.

Bei Hannoversch Münden kreuze ich nochmals die Werra und komme direkt an die Fulda, die sich dort mit der Werra zur Weser vereinigt. Der dortige Radweg führt mich direkt nach Kassel. Die Fulda ist übrigens innerhalb Hessens der Fluss mit der größten Fließlänge.

Kassel ist bekannt als Standort der Documenta, die weltweit bedeutendste Reihe von Ausstellungen für zeitgenössische Kunst. Sie findet alle fünf Jahre statt und dauert jeweils 100 Tage. In der letzten Documenta 2022 gab es eine heftige Kontroverse bezüglich des Vorwurfs des Antisemitismus gegen das kuratierende Künstlerkollektiv ruangrupa und teilnehmenden Künstler:innen. Die Altstadt wurde 1943 fast zur Gänze durch Bomben zerstört und gibt daher aus meiner Sicht auch nicht viel her.

Heute beginne ich unterwegs einfach zu singen, was ich schon lange nicht mehr getan habe. Mit meinem Gesang drücke ich aus, was ich empfinde. Vermischt mit Tränen, bricht dieser regelrecht aus mir hervor. Wie heißt es so schön in dem Lied „Canto (Gesang)“ von Gianmaria Testa:

„…Und nie werden wir wisssen,
aus welchen unbekannten Räumen
der Gesang entspringt
und aus welchen Fernen, Ängsten, welcher Wut,
Zärtlichkeit oder Bedauern –
und aus welcher Sehnsucht
sie die Stimme schöpft und scheidet,
diese lange Spur,
die uns auch jetzt
und unabsehbar fortträgt“.

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