
Bei meiner Abfahrt in Brüssel schüttet es in Strömen. Ich frage mich warum ich mir das eigentlich antue. Ist dies tatsächlich der Urlaub den ich brauche, um zur Ruhe zu kommen? Was muss ich mit dieser Art des Reisens beweisen? Erst als der Regen aufhört, finde ich ein wenig inneren Frieden.
Meine heutige Etappe führt mich knapp 95 km über Antwerpen nach Roosendaal in den Niederlanden. Die belgische Hafenstadt Antwerpen war im 15 und 16 Jahrhundert eine der größten Städte der Welt und ist Heimat beutender Künstler. Am Ende des 2. Weltkriegs war die Stadt Ziel der sog. Ardennenoffensive der Nazis. Ziel war es den Hafen zu erobern, um den Nachschub der Alliierten aufzahlten. Der Plan scheiterte. Berühmt ist Antwerpen vor allem für den historischen Stadtkern. Eines der bekanntesten Sehenswürdigkeiten und Fotomotiv ist das Rathaus.

Der Samurai Issai Chozan (1659-1741) verfasste mehrere Geschichten, über den geistigen Hintergrund der Schwertkampfkunst. „Kein Ich und kein Gegner“ ist aus seiner Sicht die ideale Haltung eines Schwertkämpfers. Entdeckt habe ich seine Weisheiten 2020 auf meiner Radreise von Mödling nach Bregenz und zurück. Radfahren war für mich immer etwas sehr meditatives. Im Vordergrund meiner Radreisen steht daher auch nicht die sportliche Leistung, sondern das Erleben. Mein Ich erscheint mir heute jedoch sehr mächtig zu sein und meine „Gegner“ zahlreich. Ich hadere mit dem Regen und kämpfe gegen jeden Kilometer. Getrieben bin ich von dem Ehrgeiz zu beweisen, dass ich mit 51 Jahren noch immer in der Lage bin, solch eine Reise zu bewältigen. Wie lange werde ich auf dieser Reise brauchen, um mich von meinem Ich und meinen zahlreichen „Gegnern“ zu befreien, um diesen Urlaub auch genießen zu können?


Beim Grenzpark Kalmthoutse Heide überfahre ich die belgisch-holländische Grenze. Das Naturschutzgebiet umfasst 6000 ha wobei knapp 3700 davon zu Belgien gehört. Das Gebiet besteht aus zahlreichen Heiden und Mooren und ist ein beliebtes Wandergebiet. Meine Reisetag und das viele Nachdenken endet in Roosendaal mit einem guten Abendessen. Nun liege ich doch zufrieden in meinem Hotelzimmer.
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