3. Tag: Von Pordenone nach Treviso

Es ist mit knapp 60 km die kürzeste Strecke der Reise, aber ich wollte unbedingt nach Treviso. Es ist eine Stadt mit zahlreichen Kanälen und könnte durchaus als die beschauliche Variante Venedigs bezeichnet werden. Die heutige Fahrt geht entlang der Berge, der Ausblick ist spektakulär.

Die Nacht davor war quälend. Erst um 2 Uhr kann ich einschlafen. Unterschiedlichste Gedanken jagen durch meinen Kopf. Knapp 6 Stunden Schlaf sind für lange Strecken eindeutig zu wenig. So gesehen kommt mir die kurze Etappe entgegen. Um mich von meiner Müdigkeit abzulenken singe ich während der Fahrt das Lied „The Little Church“ aus dem Film „Brother Sun Sister Moon“.

„If you want to live life free
Take your time, go slowly

(…)

Day by day, stone by stone
Build your secret slowly
Day by day, you’ll grow too
You’ll know heaven’s glory“.

Das Lied begleitet mich schon lange auf meinen Radreisen. Am frühen Nachmittag in Treviso angekommen, schlafe ich 3 Stunden.

Treviso ist mit der Geschichte Österreichs eng verbunden. Im März 1848 wird die österreichische Besatzungsmacht aus der Stadt vertrieben. Im Mai und im Juni des selben Jahres wird Treviso von Österreich unter Kanonen Dauerbeschuss genommen, so dass diese kapitulieren muss. 1866 wird die Stadt Teil des Königreichs Italien. Im 1. Weltkrieg werden von Österreich Bombenangriffe auf Treviso geflogen. Insgesamt wurden über 1.500 Bomben über der Stadt abgeworfen.

Im 2. Weltkrieg gab es in der Nähe von Treviso das KZ Monigo, indem vor allem slowenische und kroatische Zivilist:innen untergebracht waren. An die hunderten Toten des Lagers, darunter auch Kinder, erinnert eine Tafel in der Altstadt.

Eigentlich ist die Region eine Hochburg der Lega Nord, in der Stadt regiert jedoch eine linke Mehrheit. Treviso ist jedenfalls eine Reise wert.

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