
Am 6. Mai 1976 um 20 Uhr 59 bebte im Friaul die Erde. Das Erdbeben dauerte 56 Sekunden. In Venzone gab es 47 Todesopfer – in der Region insgesamt an die 1.000 Tote, der Ort war verwüstet aber nicht zerstört. Am 15. September kam es zu einem weiteren Beben, das alles Übriggebliebene zerstörte. Venzone war ein einziger Trümmerhaufen.

In ihrem preisgekrönten Roman „Rombo“ lässt die deutsche Autorin Esther Kinsky sieben Bewohner:innen eines abgelegenen Bergdorfs von ihrem Leben berichten, in dem das Erdbeben tiefe Spuren hinterlassen hat. Eine berührende Erzählung.

In Venzone gründete sich 1977 ein Bürger:innen-Komitee, dass den 100% Wiederaufbau forderte, während die Politik die Trümmer beseitigen und Fertigteilhäuser errichten wollten. Das Komitee setzte sich durch und tatsächlich wird in Folge Venzone Stein für Stein wieder aufgebaut. Über die Wiedererrichtung des Doms des Heiligen Apostels Andreas heißt es: „Etwa 9500 Steine, die genau dorthin zurückgekehrt sind, wo sie vor dem Erdbeben waren, möglicherweise integriert und einzeln restauriert mit der gleichen Sorgfalt, mit der man an einem Kunstwerk arbeitet“.

Ich stehe im leeren Dom und genieße die Stille. Nicht alles wurde wieder aufgebaut. Bewusst wurden kahle Mauerstücke hinterlassen, die von Verlust und Tod erzählen. „Ich glaube, beim Anblick der Veranda habe ich begriffen, dass nie wieder etwas so sein würde wie früher. Ich habe es gespürt“, spricht Olga im Buch „Rombo“ über das lebensverändernde Erdbeben.

Und doch hat der Tod in Venzone nicht das letzte Wort. Der Ort gilt in der Zwischenzeit als einer der schönsten Dörfer in Italien und ist im Sommer voller Tourist:innen. Eine Geschichte von Tod und Auferstehung die zu Ostern passt. Ich verlasse die Kirche mit Hoffnung, spaziere zu meinem Quartier und breche zu einer weiteren Etappe auf.

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