„Ich glaube, dass die Angst, die man hat, wenn man an einem Abgrund steht, in Wahrheit vielmehr eine Sehnsucht ist. Eine Sehnsucht, sich fallen zu lassen – oder die Arme auszubreiten und zu fliegen.“
Isabel Abedi

Wenn man lernt – egal, was man gerade tut –, in der Tätigkeit selbst die Belohnung zu entdecken, dann muss man nicht gewinnen, um sich gut zu fühlen. Wenn man verliert, verliert man eben, aber man hat das, was man getan hat, genossen und man fühlt sich genauso belohnt wie der, der gewonnen hat, man fühlt sich keinen Deut schlechter.
Mihaly Csikszentmihalyi

91 km von Villach nach Venzone sind geschafft. Auf Trasse der alten, stillgelegten Pontebbana-Eisenbahnstrecke durch das Kanaltal hatte ich heute das Gefühl zu fliegen, wobei zuvor die Reise äußerst schlecht begonnen hat. Meine hintere Radtasche reißt beim Start, so dass ich eine neue kaufen muss. Dieses Missgeschick verunsichert mich so, dass ich Angst bekomme und überzeugt bin, mich mit dieser kurzen Reise zu überfordern. An der italienischen Grenze ist diese Angst plötzlich wie weggeblasen und ich genieße die Fahrt durchs Kanaltal trotz Wind und Kälte.

Nun liege ich im Bett, draußen gewittert es, ich höre Musik und lese. Das Zitat der Kinderbuch Autorin Isabel Abedi, über das ich zufällig stolpere, berührt mich. Ich kann meine Gefühle nicht in Worte fassen. Die Sehnsucht nach Los- und Fallenlassen ist groß. In meinem Leben hatte ich nicht nur einmal das Gefühl vor dem Abgrund zu stehen. Was wäre passiert, wenn ich mich fallen gelassen hätte? Für die christlichen Mystiker:innen ist das Wagnis des Fallenlassens der Weg zu Gott. Doch wer oder was würde mich auffangen?

Ich bin gespannt, was der morgige Tag an Erfahrungen bringt!
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