3. Tag: Glück kommt oft überraschend…

Ich muss gestehen, ich bin begeistert. Auch wenn’s heute sehr kalt (bin bei 10 Grad losgefahren, durchschnittlich hatte es 14 Grad) und windig war, hatte ich Wetterglück. Schon in der Früh hört der Regen auf und das Navi führt mich auf eine wirklich schönen Strecke in Richtung Zielort. Darf festhalten, dass ich schon lange nicht mehr durch eine so wunderbare Gegend fahren durfte, auch wenn’s durch insgesamt 800 Höhenmeter auch sehr anstrengend war.

Auch mein Zielort Český Krumlov – Krumau – begeistert mich. Die Altstadt ist UNESCO Weltkulturerbe und wurde 1963 zum städtischen Denkmalschutzgebiet erklärt. Bereits im 13 Jahrhundert siedelten sich österreichische und bayrische Kolonist:innen in Krumau an. 1334 erhielten darüberhinaus jüdische Familien die Erlaubnis die Stadt zu besiedeln. Nach dem 1. Weltkrieg wurde Český Krumlov erst am 28. Juni 1919 völkerrechtlich Teil der neu gegründeten Tschechoslowakei, wobei die Stadt auf Grund von Spannungen zwischen den deutsch- und tschechischsprachigen Bevölkerungsgruppen im November 1918 von der tschechoslowakischen Armee besetzt wurde. Während der Nazi-Herrschaft wird das Gebiet dem sog Reichsgau Oberdonau (Oberösterreich) zugeschlagen. Nach 1945 werden die sog. Deutschböhmen aus Český Krumlov mehrheitlich vertrieben.

Was mich absolut begeistert ist das Abendessen. Ich besuche ein typisches böhmisches Wirtshaus und fühle mich in meine Kindheit zurückversetzt, als es solche Gaststätten noch bei uns gegeben hat. Die Speisekarte erinnert an die Wurzeln „unserer“ Küche. Ich habe schon lange nicht mehr so gut gegessen und weiß, dass ich nur allein wegen des Essens diese Stadt wieder besuchen werde.

„Glück kommt oft überraschend“ ist die zweite Erkenntnis des (fiktiven) Psychiaters Hector auf seiner Suche nach dem Glück. Der Roman „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ von François Lelord beschreibt die Reise Hectors durch die Welt mit dem Ziel, das Geheimnis des Glücks zu entdecken. Mein Glück ist heute einfach da. Ich fühle mich beschenkt und bin dankbar. Die Ursachen und Bedingungen dafür will ich gar nicht ergründen. Vielleicht ist meine heutige Erfahrung auch das, was in der christlichen Religion unter Gnade verstanden wird.

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