2. Tag: Regen, ein Bruch der Radreise-Ethik und Stille

Heute ist der Regen so stark, dass ich kurz davor bin, meine Reise tatsächlich abzubrechen. Ich trotze jedoch den Umständen, organisiere mir eine Mitfahrgelegenheit von Krems aus und lande schließlich trocken, allerdings mit schlechtem Gewissen, in Harbach im Waldviertel. Ein innerer „Dämon“ erklärt mir beharrlich die Ethik der Radreisenden gebrochen zu haben. Schließlich muss ja jeder Meter mit dem Rad zurückgelegt werden.

Die Nachmittagsjause als Abendessen. Die Gasthäuser in Harbach sind ab Nachmittag geschlossen.

Harbach liegt an der tschechischen Grenze und ist Teil der Großgemeinde Moorbad Harbach. Wichtigster Arbeitgeber der Gemeinde ist das Gesundheits- und Rehabilitationszentrum Moorheilbad Harbach.

Der einzige Wirt des Ortsteil steht vor dem Zusperren und hat kein Abendgeschäft mehr. In „meinem“ Gasthaus gibt es nur zu Mittag Essen. Als Abendessen wird mir eine Nachmittagsjause angeboten. Dankend nehme ich an und bestelle 3 Fleischbrote. Es stellt sich heraus, dass es sich dabei eigentlich um insgesamt 6 Brote mit üppiger Wurstbelegung handelt.

Die heutige Etappe fehlt mir, fühle mich ein wenig unentspannt. Als Ausgleich genieße ich die Stille. Es fehlt der Lärm der Stadt. Ich erinnere mich an das Buch „Wie wollen wir leben“ von Peter Bieri, der Ende Juni verstarb. Gelesen habe ich es 2016 auf meiner Radreise von London nach Rom. „Ich möchte in einer Kultur der Stille leben, in der es vor allem darum ginge, die eigene Stimme zu finden“, schreibt der begnadete Philosoph, der unter dem Pseudonym Pascal Mercier den bekannten Roman „Nachtzug nach Lissabon“ veröffentlichte. Er schreibt mir aus der Seele.

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