1. Tag: Regen und Erinnerungen die mir inneren Frieden schenken

Nach gut 90 km über Pressbaum, Riederberg, Tulln und dem Donauradweg völlig durchnässt in Krems angekommen. Nach dem Abendessen liege ich im Bett und denke über diese Reise nach. 5 Tage ist eine kurze Zeit, der Wetterbericht ist schlecht und ich überlege nicht weiter zu fahren. Macht so eine kurze Reise überhaupt Sinn? Kann ich in den fünf Tagen überhaupt loslassen? Was ist mit all den Baustellen die auf mich nach meiner kurzen Auszeit warten?

Der Wienerwaldsee bei Pressbaum, das erste Foto meiner kurzen Reise.

Während ich überlege was ich hier schreiben könnte, lese ich alte Blog-Beiträge und erinnere mich an die Radreise mit meiner Tochter Lia von Kopenhagen nach Hause. Wir fahren durch wunderschöne Landschaften und haben auf unsere Fahrt von Kopenhagen nach Hause bereits mehr als 1.000 km zurückgelegt. Trotz Regen und vieler Höhenmeter sind wir zufrieden und glücklich. Meine Tochter Lia ist sichtlich stolz auf das Erreichte. Als es stark zu regnen beginnt, singt sie das Lied „Hakuna matata“ aus dem Film der „König der Löwen“. Es ist ein Spruch aus der afrikanischen Sprache Swahili. Wörtlich übersetzt bedeutet dieser „Es gibt keine Probleme/ Schwierigkeiten“. Im Lied heißt es: „Hakuna matata, diesen Spruch sag ich gern (…) Es heißt, die Sorgen bleiben dir immer fern“. Ich erinnere mich wie ich mich freue über die Ausgelassenheit meiner Tochter, trotz erschwerter Bedingungen.

Der Blick vom Riederberg ins Tullnerfeld

Ich schließe die Augen und spüre eine innere Ruhe. Eine weitere Erinnerung dieser Reise kommt mir ins Bewusstsein. Lia und ich gehen in Lübeck in die Kirche St. Jacobi, im Mittelalter eine bedeutende Pilgerkirche. Wir befinden uns an der Kreuzung des norddeutschen, baltischen und skandinavischen Jakobsweges. Neben dem Altarraum ist ein großes Papier befestigt. Menschen sind eingeladen, die Frage „Was gefällt Dir an Deinem Alltag“ zu beantworten. Wir finden spannende, berührende und sehr erhellende Antworten auf eine Frage, die ich mir zu dieser Zeit immer wieder gestellt und keine befriedigenden Antworten gefunden habe. Zu intensiv war der alltägliche Stress, um mir selbst die naheliegenden Antworten geben zu können. Und auch jetzt kommen mir spontane Gedanken über das Kraftgebende und Schöne in meinem Leben.

Die Donau-Au in der Nähe von Zwentendorf.

Trotz Regen war die heutige Fahrt wunderschön. Ich spüre Dankbarkeit. Ich stolpere über einen weiteren Blog-Beitrag. Es ist ein Zitat. „Die Wiege schaukelt über den Abgrund und der platte Menschenverstand sagt uns, dass unser Leben nur ein kurzer Lichtspalt zwischen zwei Ewigkeiten des Dunkeln ist“, schreibt Vladimir Nabokovs. Was für ein beruhigender Gedanke. Mich selbst zu relativieren lassen auch meine Sorgen für einen kurzen Moment verblassen.

Wie beruhigend es ist, meine Gedanken niederzuschreiben.

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