
Mit dem heutigen Tag bin ich über 1.000 km unterwegs. Heute ging die Etappe 99 km durch die Region Marken von Ancona nach Monteprandone, eine kleine Gemeinde 6 km von der Küste entfernt an der Grenze zur Region Abruzzen. Vom Fenster aus in meinem heutigen Quartier kann ich das Meer sehen.




Das Landesinnere erinnert mich ein wenig an die Hügellandschaften in der Toscana und Umbrien. Landschaftlich eine wunderbare Abwechslung. Auch die Küste und die Tourismusorte haben sich verändert. Es wirkt alles ein wenig entspannter.
Während des Radfahrens gehen mir viele Gedanken durch den Kopf. Ich denke nach über meine Reise und über den Begriff „Heimat“.
Diese Reise ist bis jetzt noch nicht zu meiner geworden, da ich mit dem Land und den Menschen kaum in Resonanz gekommen bin. Brauche die Gespräche mit den Menschen, das Lächeln der Kellner*innen, den gemeinsamen Grappa zum Abschluss meines Abendessens und die Freude des Austauschs. Bevor ich heute aufbreche, plaudere ich mit den Hotelmanager, der sich freut, mit mir Deutsch sprechen zu können. Nicht ich, sondern er sucht den Kontakt zu mir und wird mir zu einem Geschenk.
Heimat ist dort wo wir als Mensch in unserer Existenz beantwortet werden. Die Urantwort ist die Liebe unserer Eltern, das Lächeln, die Zärtlichkeiten und Berührungen die wir als Säuglinge erfahren. Kein abstrakter Gott, kein späterer Reichtum und Erfolg können uns diese Urantwort ersetzen. Umso schwieriger und leidvoller ist es, wenn wir diese Urantwort nur unzureichend erfahren haben. Und auch später wollen und müssen wir beantwortet werden. Von unseren Freund*innen, Partner*innen, von Menschen die uns wichtig sind. Sie muss jedoch bedingungslos erfolgen. Nicht weil wir Großartiges leisten, was könnten wir als Säuglinge gegenüber unseren Eltern schon vorweisen, schön oder besonders gescheit sind, sondern weil wir existieren, steht uns die Beantwortung unseres Lebens durch ein Du zu.
Heute geht es mir leichter. Dafür bin ich dankbar.
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