
Ancona gehört zu den größten Fährhafen im gesamten Mittelmeerraum. Täglich laufen von hier Fähren nach Griechenland, Kroatien, Albanien und in die Türkei aus. Auch wird Ancona von Größen Frachtschiffen und Kreuzfahrtschiffen angefahren. Dementsprechend viele Tourist*innen finden sich in der Stadt. Besonders die Hafenarbeiter fallen auf. Zu einem großen Teil sind es Afrikaner und Inder.

Ancona war im 16 Jahrhundert eine kurze Zeit Zufluchtsort zwangsbekehrter Jüd*innen aus Spanien, sog. Marranos. Der Schutz dauerte nur kurz, da ihnen vorgeworfen wurde, „Krypto-Jüd*innen“ zu sein, ihren Glauben also im Geheimen weiter zu praktizieren. Ein Teil der jüdischen Community wurde als Strafe verbrannt.

Ich besuche schon früh am Vormittag auf dem Monte Guasco den Dom S. Ciriaco. Er befindet sich im ältesten Siedlungsteil der Stadt und ist dem heiligen Judas Cyriacus geweiht, der übrigens auch von den Orthodoxen Kirchen als Heiliger verehrt wird. Durch den Stadtteil führen steile Stufen bis zum Domplatz. Der Dom ist zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert entstanden und hat als Grundriss ein griechisches Kreuz.




Noch mehr fasziniert mich die Kirche Chiesa di Santa Maria della Piazza in der Nähe meines Hotels. Sie ist aus dem 11. und 12. Jahrhundert. Für eine kurze Zeit verweile ich in der Stille ganz ohne Tourist*innen.




Ich habe schon länger meinen Glauben an Gott verändert und kann mit tradierten Vorstellungen von Glauben persönlich kaum etwas anfangen. Der walisischen Lyriker und anglikanische Priester R.S. Thomas bringt es für mich auf dem Punkt:
„Ich habe es mir nie anders vorgestellt, als dass Gott das große Nichtdasein in unserem Leben ist, das leere Schweigen im Inneren, der Ort, nach dem wir auf die Suche gehen ohne die Hoffnung, jemals anzukommen oder ihn zu finden. Er wahrt das Lückenhafte unserer Erkenntnis, die Dunkelheit zwischen den Sternen. Sein sind die Echos, denen wir folgen (…)“
Das große Nichtdasein auszuhalten fällt schwer und doch ist es, als wären in der Stille die Echos eines nicht fassbaren Gottes in solchen wunderbaren Kirchen deutlicher zu hören. Ein Gedanke der mir ein wenig inneren Frieden schenkt.
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