10. Tag: Still werden

Nach 98 km komme ich in Ancona an. Ich werde dort einen Tag Pause machen. In der Früh bin ich mental und körperlich (fast) am Ende. Rimini überfordert mich. Die engen Häuserschluchten, der Lärm und die vielen Tourist*innen sind zu viel für mich. Nach einem extrem schlechten Frühstück kommt mir alles im wahrsten Sinne des Wortes hoch. Ich will einfach nur mehr nach Hause. Ich aber fahre weiter.

Der Weg führt mich entlang langer Sandstrände. Die Temperaturen erreichen 41 Grad und ich denke über den Sinn dieser Reise nach.

Mein Leben ist Action und meine Reise spiegelt diese wider. Ich bin ständig unterwegs, unfähig Stille zu finden und in dieser, würde ich sie finden, ruhen zu können. Ein für mich sehr prägendes Zitat kommt mir in Erinnerung:

„Die, die zu Hause bleiben, fühlen sich in Sicherheit. Sie sollen aufbrechen. Die, die sitzen, sollen aufbrechen. Die aber, die wandern, sollen still werden!“ (A. Martin)

Ich habe Tränen in den Augen. Die Sehnsucht nach Stille ist extrem. Meine unerfüllte Suche macht mich traurig. Ich lasse mich fallen in ein Gedicht von Georg Bydlinski:

Ohne Hast

Ich gehe langsam

ganz langsam

Finger Fersen Zehen

mein ganzer Körper horcht

Ich greife den Tag

nichts

entgeht mir

Ich gehe so langsam

dass mich rechts ein Baum

links das Gras

überholt.

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