
Heute geht es 114km nach Lugo. Es ist die bis jetzt längste Etappe meiner Reise. Meine Fahrt führt mich durch das Naturschutzgebiet Valli di Comacchio. Das Gebiet gehört zu dem von der UNESCO als Welterbe anerkannten Parco regionale del Delta del Po. Es ist wunderschön.

Noch sind die Spuren der Unwetter der letzten zwei Tage zu sehen. In den Bewässerungskanälen steht das Wasser und am Straßenrand finden sich umgestürzte und entwurzelte Bäume.

Am Beginn der heutigen Etappe geht es mir alles andere als gut. Ich habe Angst. Es reckt mich als ich mich aufs Rad setze. „Man hat nur Angst, wenn man mit sich selber nicht einig ist“, schreibt Hermann Hesse. Was diese Reise betrifft bin ich mit mir tatsächlich nicht einig, trotz kurzer Momente der Entspannung. Ich bin unzufrieden, finde nur schwer passende Quartiere. Aus irgendeinem Grund funktioniert bei der Buchung meine Kreditkarte nicht. Das Wetter spielt verrückt. Und auch sonst gibt es zu Hause genügend Baustellen, die mir nicht aus dem Kopf gehen wollen.
Ich versuche meine Gedanken loszulassen. Von Kilometer zu Kilometer werde ich leichter. Trotz 39 Grad wird die längste Etappe auch zu meiner schnellsten. Schaffe einen Schnitt von 24 km/h.
Klara Charlotte Zeitz schreibt in einem wunderbaren Essay:
„Ich habe gelernt (….) Dass es oft Mut braucht, um glücklich zu sein. (…) Dass in der Entspannung das Fühlen kommt. Dass wir lernen müssen, zu ruhen, in uns, mit den Dingen, um zu fühlen, was wir brauchen. Und dass Loslassen das eigentliche Einlassen ist“.
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