Pause: „Mein“ Bologna

Bologna – la rossa – die Rote – auch wegen der vorherrschenden politischen Richtung der Stadt und ihrer Bewohner*innen so genannt. 1980 führten Rechtsextreme einen Bombenanschlag auf den Bahnhof der Stadt durch und ermordeten 85 Personen. Nach 6 Jahren Ermittlungen konnte nachgewiesen werden, dass Neofaschisten in Zusammenarbeit mit Mitgliedern des Geheimdiensts und der Geheimloge P2 den Bombenanschlag durchgeführt hatten, um diesen Linksextremen in die Schuhe zu schieben. Ziel war es den Staat zu destabilisieren, um die Macht zu übernehmen. Erst 15 Jahre nach dem Anschlag kam es zu Verurteilungen. Sowohl die Aufklärungen als auch der Prozess wurde immer wieder durch mächtige (staatliche) Seilschaften behindert. Was mich immer schon gewundert hat ist, dass sich nicht viele Italiener*innen mit dieser dunklen und jüngeren Geschichte ihres Landes auseinandergesetzt haben, oder gar nichts davon wissen.

Patrick Zaky ist koptischer Ägypter und Doktorand an der Universität von Bologna. In seiner Heimat kämpfte er für Menschen- und Student*innenrechte und war eine laute Stimme für die Rechte von Frauen und Minderheiten in Ägypten, wie Christen und Mitgliedern der LGBTQ+ Community. Am 7. Februar 2020 wurde er am Flughafen von Kairo festgenommen und brutal gefoltert. Seitdem sitzt Patrick Zaky im Gefängnis. In der Innenstadt finden sich überall Zeichen der Solidarität mit Zaky.

Ich habe ein günstiges Hotel im alten Ghetto gefunden. Die verwinkelten Gassen sind am Beginn eine Herausforderung. Extrem viele Menschen sind unterwegs, zum Teil wird auch im öffentlichen Raum Masken getragen. Die Menschenmassen überfordern mich.

Die einzige Kirche die ich besuche ist die Basilika Santo Stefano, denn sie ist die älteste Kirche der Stadt. Eigentlich sind es mehrere Kirchen in einer. Die Hauptkirche interessiert mich weniger. Spannend ist die Kirche Santo Sepolcro (Heiliges Grab), die möglicherweise bereits im 5. Jahrhundert gebaut wurde. Es ist ein Nachbau des Heiligen Grabes in Jerusalem. Schön ist auch der alte Kreuzgang. Es sind sakrale Bauwerke, deren „Schwingungen“ ich wahrnehmen kann. In vielen großen Kirchen gelingt mir das nicht oder kaum.

Was mich fasziniert sind die vielen (politischen) Botschaften aber auch Gedichte an den Hauswänden. Es ist Kultur, die bei uns verpönt ist. Einerseits verständlich, anderseits sind wirkliche Schätze darunter, die nie ihren Weg in die Welt gefunden hätten.

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