Tag 11: Du sollst Dich nicht vorenthalten

Passiere Modena. Die Stadt gilt als die Stadt des Widerstands gegen die Nazis. Es waren vor allem diese Ereignisse, die in Erinnerung geblieben sind:

Am 8. September 1943 wurden am heutigen Piazzale Giovani di Tien An Men an die 10.000 italienische Soldaten von der Wehrmacht zur Deportation zusammengetrieben. In einer spontanen Aktion halfen Bürger*innen Hunderten von ihnen mit Zivilkleidung zu entkommen.

Am 30. Juli 1944 wurden aus Rache für einen Anschlag auf ein Militärfahrzeug, es wurde ein Soldat (!!!) verletzt, 20 Partisanen und Zivilisten am Piazza Grande exekutiert und die Leichen zur Abschreckung zur Schau gestellt. Am 10. November wurden an der gleichen Stelle drei weitere Widerstandskämpfer durch Faschisten hingerichtet.

Am 28. November 1938 stürzte sich der jüdische Schriftsteller Angelo Fortunato Formiggini vom Turm des Doms – der Ghirlandina, um gegen die italienischen Rassengesetze zu protestieren.

Am Fuß der Ghirlandina erinnern Tafeln und Porträts von hunderten gefallenen Widerstandskämpfer*innen, die in der Region Modena ermordet wurden. Über den Tafeln erinnert ein Stein an Angelo Fortunato Formiggini.

Nach dem Erlass der italienischen Rassengesetze war es auch dem kirchlichen Widerstand zu verdanken, dass viele Angehörige der traditionsreichsten jüdischen Gemeinde in Italien gerettet werden konnten. Aus Modena wurden daher vergleichsweise wenig Jüd*innen deportiert.

„Du sollst Dich nicht vorenthalten!“ Der Satz stammt vom jüdischen Philosophen und Mystiker Martin Buber und wurde mir zum politischen und spirituellen Leitsatz. Spiritualität bedeutet für den religiösen Sozialisten nicht die Abwendung von der Welt, sondern vielmehr die Hinwendung zum Menschen. Widerstand, Politik und Spiritualität sind daher kein Widerspruch. Die Erinnerungstafeln am Turm des Doms sind ein eindrucksvolles und berührendes Zeichen dafür.

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