
Nach Bozen sehe ich einen Rettungswagen, der entlang dem Radweg scheinbar eine Fahrradgruppe sucht. Denke mir nichts dabei und fahre weiter. Ca. 500 m weiter sehe ich eine Gruppe Radfahrer vor mir mitten am Radweg stehen, die einen älteren Mann am Boden abschirmen. Ich bremse mich ein und fahre langsam vorbei.
Der Mann scheint gestürzt zu sein, er zittert, hat keine Farbe im Gesicht, ist sichtlich verwirrt und versucht aufzustehen. Die Gruppe versucht ihn zu beruhigen und deuten ihm am Boden liegen zu bleiben.
Während ich diese Zeilen schreibe, erinnere und wundere ich mich, dass ich auch vor zwei Tagen bei einer Unfallstelle vorbei gefahren bin und die Situation völlig vergessen habe. Sie kommt mir erst jetzt wieder in den Sinn.
Der zitternde und verwirrte Mann beschäftigt mich und mir wird schlagartig bewusst, wie zerbrechlich unser Leben ist. Die Begegnung mit der Zerbrechlichkeit des Lebens löst aber keine Angst in mir aus, sondern das Gefühl, wie wertvoll es ist und wie oft ich nicht behutsam mit meinem und dem Leben anderer umgehe. Achtsamkeit und Behutsamkeit sind zwei Worte über die ich weiter nachdenken möchte und muss.

Nach 107 km, von Brixen nach Bozen und der Etsch entlang, bin ich in Trient gelandet. Werde mir nun den mittelalterlichen Stadtkern anschauen gehen und die italienische Küche genießen und ausnahmsweise über nichts nachdenken. Ich werde es zumindest versuchen.
Nachtrag: Finde Ruhe und Stille im Dom…




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