Pause: Das Leben ein kurzer Lichtspalt zwischen zwei Ewigkeiten des Dunkeln – Über das Leben

Schon gestern am Abend beginne ich das Buch „Unzertrennlich – Über den Tod und das Leben“ von Irvin D. und Marilyn Yalom zu lesen. Es ist die Widmung des Buches, die mich dazu inspiriert:

„Tauern ist der Preis den wir zahlen, wenn wir den Mut haben andere zu lieben“.

Irvin D. Yalom, einer der bedeutendsten Psychotherapeuten der USA wurde im Juni dieses Jahrs neunzig Jahre alt. Seine Frau Marilyn, bekannte Kulturwissenschafterin und Autorin, erkrankt an Krebs. Als klar wird, dass ihre Krankheit zum Tode führt, beginnen beide ein Buch zu schreiben – das am Ende Irvin Yalom alleine fertigstellen muss. Nach 65 Jahre Ehe stirbt seine Frau und Irvin bleibt alleine zurück.

Ein wunderbares und sehr trauriges Buch, das mich weinen und mich über mein Leben nachdenken lässt. Yalom endet mit einem Brief an seine verstorbene Frau in dem er aus der Autobiographie Vladimir Nabokovs zitiert:

„Die Wiege schaukelt über den Abgrund und der platte Menschenverstand sagt uns, dass unser Leben nur ein kurzer Lichtspalt zwischen zwei Ewigkeiten des Dunkels ist“.

Wie füllen wir diesen Lichtspalt aus? Schlagen wir mit unserem Sein Wellen im Leben anderer Menschen? Wie glücklich können wir überhaupt sein, zwischen „zwei Ewigkeiten des Dunkeln“?

Mir wird bewusst, wie sehr ich mich vor dem Sterben fürchte und ich erkenne, dass nur ein zufriedenes und glückliches Leben mir die Angst vor meinen Tod nehmen kann. Ich erkenne auch, dass meine Ziel- und Ergebnisorientierung einen wichtigen Teil meines Lebens als unwichtig auf die Seite wischt. Ich lebe nicht, sondern erreiche fast ausschließlich Ziele und fühle mich dabei einsam.

Was aber hat das alles mit meiner Reise zu tun? Auch am Rad will ich Ziele erreichen. Orte, Kilometer, Höhenmeter und das Verlieren von Körpergewicht. Ich bin so fokussiert, dass ich meine Wege die ich zurücklege nicht genießen kann oder gar nicht wahrnehme. Reisen ist – wie das Leben – ein Prozess. Es mag Meilensteine geben, die eine Reise unterteilen, aber diese dienen höchstens zur Orientierung und zum Krafttanken.

Es mag eine banale Erkenntnis sein, aber Leben, bedeutet Aufbrechen und (mit anderen) unterwegs sein. Wir sind unser ganzes Leben Reisende (Pilger*innen). Erst wenn wir in die Ewigkeit des Dunkeln eingehen (von wo wir aufgebrochen sind), ist unser Ziel erreicht. Der Tod bedeutet Ankommen. Davor gilt es den Spalt zwischen den Ewigkeiten mit unserem Licht auszufüllen und (Licht)Wellen auch für andere zu schlagen.

Ein schöner und tröstender Gedanke, so wie die alten Fresken im Kreuzgang des Doms von Brixen, die mich am Vormittag staunen lassen und mir zeigen, dass Schönheit nur durch ausreichend Licht wahrgenommen werden kann.

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