
Ich sitze auf 1.200 Meter an der Grenze zur Steiermark und genieße den Ausblick. Für den heutigen Tag bin ich fertig. 90 km und über 1.000 Höhenmeter zurückgelegt, die letzten Meter so steil, dass ich mein Rad schieben musste. Ein Anfängerfehler, denn ich hatte nicht gecheckt, dass mein Hotel auf einem Gipfel steht, als hätte es nicht gereicht, von Aspang nach Mönichkirchen hochzufahren. 
„Wer das Unbekannte entdecken möchte, muss durch das Ungewisse hindurch gehen“, soll Johannes von Kreuz gesagt haben. Die Tage vor meinem Aufbruch waren seltsam. Zweifel, keine Freude und ein Backenzahn, den ich mir zu einem Teil ausgebissen hatte, beschäftigten mich bis zum Schluss. Meine Ungewissheit heißt Corona und mein körperlicher Zustand. Kommt die 2. Welle? Ist sie schon da? Muss ich meine Reise abbrechen? Eigentlich wollte ich ja in die Bretagne fahren, wenn nicht der Virus gekommen wäre. Der Stress der letzten Tage und Wochen war heftig und manifestierte sich bei mir vor alle körperlich, aber auch meine Laune und Frustrationstoleranz waren deutlich im Keller. Ist dieser Zustand eine gute Voraussetzung diese Reise anzutreten?

Und doch sitze ich nun hier und bin zuversichtlich. Hoffe das Leben ist gnädig und das Unbekannte wartet auf mich.
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