Ein gewaltiger Temperatureinsturz, 12 Grad weniger als am Vortag, noch extremere Winde und Unwetter prägen die ersten 30 km von Hannover nach Northeim. Erst nach einer Pause beruhigt sich das Wetter und wir finden unseren Rhythmus.

Die Landschaft verändert sich. Endlich lassen wir das Flachland hinter uns und fahren durch wunderschöne Hügellandschaften. Lia zeigt nach 63 km gewaltige Kraft und bewältigt eine steile Forststraße ohne Probleme. Als Belohnung wird uns eine wunderbare Aussicht auf die umliegende Landschaft geschenkt. Einfach schön.

Nach über 90km in der Stadt Northeim angekommen, finden wir in der Fußgängerzone eine Skulptur von Momo und Kassiopeia und ich erinnere mich an die Weisheit von Beppo den Straßenkehrer:
„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?
Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“
Beim Radfahren ist es nichts anderes. An die Kilometeranzahl einer Etappe zu denken, ist Gift für Geist und Seele, vor allem dann, wenn man müde ist. Tritt für Tritt, Hügel für Hügel, Atemzug zu Atemzug und plötzlich hat man tatsächlich die ganze Etappe gemacht. Eine wirklich treffende Allegorie.

Am Abend wartet an eine wirklich gute vietnamesische Suppe auf mich, die wärmt und sättigt. Unglaublich wie ein Tag der so mühsam begonnen hat, so perfekt endet. Ich bin voller Dankbarkeit.

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