„Wer nach Jerusalem pilgert, begegnet Jesus, wer nach Rom pilgert begegnet dem Papst, wer jedoch den Jakobsweg geht, begegnet sich selbst“, heißt es in einem spanischen Sprichwort. Kurz nach Kopenhagen finden wir uns auf der berühmten Pilgerroute wieder. Erinnerungen an unsere erste gemeinsame Radreise, der portugiesische Jakobsweg vor vier Jahren, kommen hoch. In unserer Pause philosophieren wir über das Reisen und stellen fest, dass es für eine Begegnung mit sich selbst nicht den Jakobsweg braucht, sondern vor allem fokussierte Zeit. Jede langsame Reise trägt das Potential einer Begegnung mit sich selbst in sich.

Auf der Fahrt bin ich irritiert ohne zu wissen warum, bis ich bemerke, dass es so ungewöhnlich still ist. Ich versuche die Stille aufzusaugen in der Hoffnung, dass sie alle Gedanken in meinem Kopf auflöst. Denke an Unerledigtes, aktuelle und zukünftige Herausforderungen und an Dinge, die ich möglicherweise vergessen habe. Ich erlebe mich mitten in einem Entzug vom Stress der letzten Wochen und Monaten. Dieser lässt mich spüren, was ich meinem Körper und meinem Geist eigentlich antue.

Nach 74 km ist unsere erste Etappe geschafft. Nun werden wir gemeinsam Kochen und möglicherweise bald Schlafen gehen. Die Stille des Tages und der Gedanke der fokussierten Zeit bleiben als Erlebnis, Erkenntnis und Versprechen für die nächsten gemeinsamen Tage.

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